Die Sau des Monats – Helmpflicht

Es muss ein unheimlicher Frust herrschen unter den Autofahrern. Nachdem das Automobil die letzten 60 Jahre die fast uneingeschränkte Freiheit auf den Straßen – freier Bleifuß für freie Autofahrer – genossen hat und für die Zerstörung der städtischen Landschaft durch hässliche Straßenschneisen verantwortlich ist (nun gut, verantwortlich sind eigentlich die Politiker, die mit dem VW-Zeichen auf Stirn und Geldbörse unterwegs waren und sind), wird nun diesem simplen, nicht- oder schwachmotorisierte Arme-Leute-Fahrzeug Fahrrad eine immer noch lächerlich gering ausfallende Aufmerksamkeit geschenkt. Pop-up-Radwege wohin man schaut, auf Kosten von Fahrspuren und Parkplätzen. Berlin leistet sich sogar ein Mobilitätsgesetz, das den Focus auf das Radfahren und das Schaffen einer sicheren Radfahrinfrastruktur richtet. Zumindest auf dem Papier, aber das reicht anscheinend schon, dass sich die Autoapologeten in Stellung bringen und in die Vorwärtsverteidigung gehen. Das merkt man an der erstaunlich zahlreichen und ebenso dummdreisten Präsenz von “Fahradfahrer-halten-sich-an-keine-Regeln-brauchen-ein-Kennzeichen-eine-Versicherung-müssen-endlich-Steuern-zahlen-haben-kein-Licht-blenden-mit-ihrem-Licht-tragen-keine-Warnweste”-Trolls in den einschlägigen Fahrradforen.

Und in der verlässlich wiederkehrenden Helmpflichtdiskussion. So vor kurzem im DLF-Kultur:
Warum Fahrradfahrer Helme tragen sollten

Vielleicht ist es unfair, einem Journalisten die Förderung des Akaflieg München, einer studentische Gruppe an den Münchner Hochschulen, die sich mit der Konstruktion, dem Bau und dem Fliegen von Segel- und Motorflugzeugen befasst, als Beweis für eine eher autoafine Haltung unterzujubeln. Wer aber einen Abschnitt wie den folgenden in seinen Artikel einbaut, dem sollte eigentlich die Fahrerlaubnis entzogen werden.

“Auf Helmträger nimmt man Rücksicht

Drittens: Als Autofahrer merke ich, dass ich Fahrradfahrer mit Helm ernster nehme. Meine Reaktion ist nicht: „Oh, die haben ja einen Helm auf, da muss ich keine Rücksicht nehmen.“ Sondern: „Denen ist ihre eigene Sicherheit wichtig.“

Umso mehr soll und muss ihre Gesundheit auch mir als Autofahrer wichtig sein.” (Ende Zitat)

Für den Autor soll ich also als Radfahrer einen Helm tragen, damit dieser mich als Verkehrsteilnehmer ernst nimmt? Herrn Watzke möchte ich ehrlich gesagt nicht auf der Straße begegnen. Eigentlich auch nicht im richtigen Leben. Wer Artikel wie den obigen schreibt, hat die Nase wohl ganz tief in irgendeinem Arsch. Und das stinkt ja in der Regel.

Da Polemik aber nur selten weiter hilft, hier noch zwei Artikel, die die zwei wichtigsten Fragen beantworten:

Sind Fahrradfahrer besonders gefährdet, was Kopfverletzungen angeht?
Spoiler: Wenn Helmpflicht, dann bitte für Autofahrer!

Helmpflicht für Autofahrer

Und schützt denn ein Fahrradhelm wirklich vor Kopfverletzungen?
Spoiler: Es bleibt schwierig, ist aber nicht so eindeutig wie immer behauptet.

Schützen Fahrradhelme?

In diesem Sinne: Kette rechts, nutzt das schöne Winterwetter und schwingt euch auf’s Rad. Mit oder ohne Helm. Denn das ist eure Entscheidung!

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